Die Geschichte des Black History Month in Deutschland (siehe Coverstory)
Mike Reichel, einer der Organisatoren des seit 1990 jährlich stattfindenden Black History Months (BHM), war so freundlich, folgende Fragen für den HERITAGE Newsletter zu beantworten.
HNL: Was sind die Ursprünge und die Motivation des BHM in Deutschland?
MR
:
was man anbieten wollte. Das wichtigste war die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und
die Arbeit zu leisten. Trotzdem war der BHM in den Anfängen auf der Seite der Organisatoren
straff organisiert und wurde, soweit man das mit primär freiwilligen Helfern machen kann, auch
entsprechend umgesetzt.
HNL: Wann und wo fand der erste BHM statt?
MR:
Der erste BHM wurde 1990 in der Kultureinrichtung “Die Pumpe”, einem Haus der
Arbeiterwohlfahrt in Berlin, organisiert.
HNL: Wer waren die Organisatoren und Sponsoren des BHM?
MR
: Im Laufe der Jahre gab es eine Vielzahl von Gruppen, die kontinuierlich oder auch nur für
einige Jahre am BHM teilnahmen. Ich hoffe, man sieht es mir nach, wenn ich nicht alle aufführe:
Abatigaya, Afrikanische Fraueninitiative (AFI), Afrikanisches Frauentheater (AFT), Afrikanische
Frauen in Berlin, Afrika Haus Berlin e.V., Association of Nigerian Students, Bildungs- und
Aktionszentrum 3. Welt (BAZ), Black Liberation Soudn System, Europa Afrika Zentrum
(EURAFRI), Egbe Omo Oduduwa e.V., Fountainhead e.V., Harambee, Immigrantenpolitisches
Forum (IPF), Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland (ISD), International Art’s
Berlin, Nigerian Common Cause, Pan African Forum (PAF), Samra Enterntainment Production
(SEP), Somalia Verein für eine Friedensinititaitve (SVF), Liberia Hilfswerk.
HNL: Wie war der Ablauf des BHM gestaltet?
MR
: Es gab Eröffnungsveranstaltungen mit einem breiten kulturellen Programm oder Konzerten.
Diesen Auftaktveranstaltungen folgten wochentags Seminare sowie Seminare am Wochenende,
die parallel ein Kinderprogamm oder eine Kinderbetreuung anboten. Kunstworkshops, Lesungen
und Diskussionsveranstaltungen. Oft gab es ein Filmprogramm.
HNL: Welche Themen wurden diskutiert?
MR:
Es wurde eine Vielzahl von Aspekten schwarzen Lebens in der Welt diskutiert. Schwarze
Geschichte, Gesundheitswesen, Beziehungen. Die gewählten Leitthemen verbanden eine Anzahl
von Veranstaltungen in einem Jahr, wie z.B. schwarze Zukunft, – Jugend und Netzwerke.
HNL: Warum wurde die Tradition des BHM unterbrochen?
MR
: Darüber gibt es sicherlich viele Ansichten. Meine persönliche Meinung ist, daß die Arbeit
viele ausgelaugt hat. Es gab auch viel Enttäuschung. Ausschlaggebend war für mich die
unbewußte Abkehr von der alten Grundphilosophie, “ein gemeinsames Projekt um jeden Preis”.
Andere Schwerpunkte rückten, verständlicher Weise, in den Vordergrund. So z.B. einen
Qualitätsstandards für Veranstaltungen umzusetzen. Das Ergebnis einer solchen Philosophie
kann leicht sein, daß andere ausgegrenzt werden.
HNL: Gibt es Ideen und Pläne für eine Wiederbelebung des BHM?
MR
: Dazu kann ich wenig sagen. Hier könnten Oliver Seifert oder Jeanine Kantara vom Vorstand
HNL: Was kann ein BHM für die Black Community leisten?
MR: Vieles dazu habe ich schon eingangs gesagt. Daneben bot und bietet der BHM die
Möglichkeit, junge Talente zu fördern und zu fordern aber auch die eigenen Talente zu entwickeln
und Erfahrungen zu sammeln. Es können sowohl künstlerische Darbietungen sein, als auch
Vorträge und insbesondere Organisationsfähigkeiten.
Ich habe den BHM auch immer als eine Basis gesehen, auf wir aufbauen können, um andere
Projekte ins Leben zu rufen. So beruhte die erste Demonstration, die von Schwarzen gegen
Rassismus in Berlin organisiert wurde auf den Kontakten, der Zusammenarbeit und dem
Vertrauen, daß wir zueinander in der Zusammenarbeit im BHM-Comittee gewonnen hatten.
Allerdings sollte man einen BHM auch nicht mit Zielen überfrachten. Man sollte nicht versuchen,
alles mit ihm erreichen zu wollen, sondern lieber aus ihm neue Projekte erwachsen lassen. So
gab es Diskussionen, die aus dem BHM heraus einen gesamtschwarzen Dachverband entstehen
lassen wollten. So etwas wäre mit Sicherheit schädlich gewesen, da dann Energien für den
BHM durch andere Diskussionen aufgezehrt worden wären.
HNL: Welche Finanzierungsmöglichkeiten standen für den BHM zu Verfügung?
MR
: Anfang waren es Darlehen aus der ISD-Community (teilweise gaben Schüler ihr
Taschengeld), Mittel der Senatsverwaltungen für Kultur oder wirtschaftliche Zusammenarbeit,
Spenden der Allgemeinen studentischen Ausschüsse der FU, der TU und später der Humboldt
Universität, das Bildungswerk für Demokratie und Umweltschutz, die Stiftung Umverteilen.
Ein ganz besonderer Dank gilt dem Ausschuss für Entwicklungsbezogene Bildung und Publizistik,
einer Einrichtung der evangelischen Kirche, die den Bildungsteil lange Jahre mit großer Kontinuität
gefördert hat. Es gab nicht finanzielle Kooperationen mit Radiosendern wie Multi Kulti, Jazz-Radio,
98,8 Kiss Fm. Sehr wichtig war auch eine Unterstützung durch Firmen und Geschäftsleute, weiße
sowie schwarze, die uns durch Anzeigen für das Programmheft unterstützten oder der Zitty
Verlag, der uns durch Stopper in dieser Programmzeitschrift lange Jahre unterstützte und auch die
Poster sponsorte. Die Betreiberin und der Betreiber der “Junction Bar” haben uns jahrelang nicht
nur durch Annoncen unterstützt, sondern ließen uns auch umsonst Benefizkonzerte durchführen,
die uns ebenfalls halfen. Viele Künstler traten dort aber auch auf anderen BHM-Veranstaltungen
umsonst oder für weniger Geld auf. “Die Pumpe” als erster Veranstaltungsort war sehr hilfreich,
aber auch die Mitarbeiter des “Stadthaus Böckler Park”. Später war es das Jugendzentrum
“Weiße Rose” und seine Mitarbeiter, die uns wirklich in außergewöhnlichem Maße unterstützten
und uns ein breites Betätigungsfeld gaben. Desweiteren gab es Darlehen aus Mitteln des
“Bundesverbandes” der ADEFRA und ISD Gruppen.
HNL: Was ist aus Deiner Sicht zu berücksichtigen bei der Organisation von
Veranstaltungen dieser Dimension? Gibt es sogenannte “Lessons learned” bzw.
Erkenntnisse die – rückblickend auf diese Zeit – festgehalten werden können?
MR:
Mitspracherechte sollten nur bei Mitarbeit und Mitverantwortung eingeräumt werden.
Desweiteren müssen eigene Interessen offen benannt werden. Für manche mag es
beispielsweise wichtig sein, eine Bühne für ihre Kunst zu finden, für andere Künstler mögen auch
ökonomische Interessen damit verbunden sein, weil sie von ihrer Kunst leben müssen.
Hier ist es wichtig, solche Situationen auch zu benennen und Verständnis für die Bedürfnisse des
anderen zu haben.
Eine hohe Toleranz füreinander zählt ebenfalls. Es sollte nicht darum gehen, gegeneinander
siegen zu wollen, eigenen Interessen durchzusetzen, sondern gemeinsam nach einer “jeder
gewinnt Strategie” zu kooperieren. Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen und Individuen
müssen akzeptiert werden.
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